Nicht vorentwertete Tickets

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Anbeku
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Nicht vorentwertete Tickets

Beitrag von Anbeku »

Hallo zusammen,

es wird nichts ändern, das weiß ich jetzt schon, aber ich möchte trotzdem noch mal meinen Unmut darüber zum Ausdruck bringen, wie nachteilig das ist, dass es keine "nicht vorentwerteten Tickets" mehr gibt. Ich fahre am Samstag wieder zum Japantag und das wie so oft bei Ausflügen zusammen mit diversen Bekannten, die selber nicht so erfahren mit dem ÖPNV sind und sich darauf verlassen, dass ich denen irgendwie ohne größere Probleme ein Ticket organisiere. Lange Zeit war das kein Problem. Man konnte das Ticket in Ruhe vorher kaufen, dann rasch vor Ort entwerten und das auch noch flexibel, falls es doch mal anders kam als geplant. Die konnte man den Leuten auch in die Hand geben, falls es dann doch mal nötig wird, sich zu trennen. Das war einfach, flexibel und schnell.
Mittlerweile weiß ich oft gar nicht, was ich da machen soll. Den Mitreisenden zu sagen, sie sollen sich irgendeine tolle App installieren kann man vergessen, wenn ein drittel minderjährig ist, ein drittel nicht Technik-affin und das letzte Drittel keine Lust hat sich für zwei Fahrten im Jahr aufwändig zu registrieren. Tickets für andere in der App kaufen kann man auch vergessen: Eezy schon mal überhaupt nicht, wenn man selber ein Deutschlandticket hat oder einer von den anderen ein Ticket für eine Teilstrecke. Eezy ist da leider überhaupt nichts. Reguläre Tickets für andere in der App zu kaufen ist auch ein totaler Alptraum, zumindest bei Naveo. Man braucht von allen Namen und Geburtsdatum und muss das für jeden Kauf immer einzeln neu eingeben. Da lässt sich auch nichts vorbereiten oder risikolos im Voraus kaufen, da ja alles schon vor entwertet ist. Völlig unpraktikabel. Es sind eh schon alle genervt von den ganzen Details die ich sie fragen muss, um die Tickets zu kaufen. Ewig früher treffen um alle Tickets noch am Automaten ziehen zu können ist da meist noch die beste Lösung, da man da keine Daten braucht und zumindest ein Ticket bekommt das man weiter geben kann. Ist aber auch sehr zeitaufwendig, da man alle Tickets einzeln langwierig kaufen und bezahlen muss und nicht mehrere gleichzeitig auswählen kann. Und auf dem Rückweg? Versuch mal im Gedränge beim Japantag an einen Automaten zu kommen. Das dauert Stunden und währenddessen kann man noch sehen, wie der eigene Zug abfährt! Was soll ich da machen? Warum werden ständig funktionierende Lösungen abgeschafft ohne dass es gleichwertigen Ersatz gibt??? Warum wird das alles immer schlechter?
Außer mir hat da nahezu keiner mehr Bock drauf und ich hab oft einfach keine Argumente mehr, warum man den ÖPNV nehmen soll. Als Verfechter des ÖPNVS fühle ich mich da immer mehr alleine gelassen und zwischen den Stühlen. Die ÖPNV-Betreiber sagen sinngemäß: "Nimm gefälligst das dankbar an, was man dir gönnerhaft hinwirft, das sind doch eh alles nur öffentlich subventionierte Almosen" und die Freunde sagen: "Warum tust du dir das an, es gibt doch PKWs?". Oft weiß ich es selber nicht, das ist vielleicht wie eine Art Stockholm-Syndrom oder eine exotische Form von Sadomasochismus. Ich weiß es nicht.
Marius L. (AVV)
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Registriert: 15. Februar 2022, 12:10

Re: Nicht vorentwertete Tickets

Beitrag von Marius L. (AVV) »

Hallo anbeku,

vorweg sei gesagt, dass ja grundsätzlich viele Möglichkeiten für Fahrgäste bestehen, sich vor Fahrtantritt mit Tickets zu versorgen. In Anbetracht der digitalen Entwicklungen sogar 'mehr denn je'.

Neben den konventionellen Vertriebsangeboten hat der Fahrgast dank der Ticketing-Apps seine Fahrgastinformation und Vorverkaufsstelle heutzutage in der Hosentasche und gerade der eezy Tarif ist ja mitunter genau für die Menschen, die über so gut wie keine ÖPNV-Erfahrung verfügen. Belohnt wird das Ganze sogar noch mit maximaler Flexibilität und diversen Preisdeckelmechanismen. Ja, eine Registrierung in einer eezy-fähigen App ist hier notwendig, aber sicherlich nicht unzumutbar in Anbetracht der wirklich reell existierenden Vorteile für den Fahrgast.

Ansonsten gibt es alternativ auch für die von dir angesprochene Verbindung günstige Gruppentagestickets in NRW für 5 Personen, die man für den Folgetag kaufen kann.

Von einer generellen Verschlechterung würde ich daher ausdrücklich nicht reden wollen, da das ja im Umkehrschluss bedeuten würden, dass es mit unentwerteten Tickets keine Probleme gäbe/ gegeben hat - was ja nicht der Fall ist / war (und das gilt selbstverständlich nicht nur für den AVV sondern auch für andere Regionen in Deutschland).

Die unentwerteten Fahrausweise, welche bei Nutzung noch durch den Fahrgast zu entwerten sind, führten und führen in der Praxis zu diversen Problemen.

Das Thema der Entwertung funktioniert eben nur, wenn eine aufwendige Entwerterstruktur vorgehalten wird (und die muss dann auch funktionieren, sonst hat der Fahrgast ganz andere Probleme). Das flächendeckende Vorhalten von kosten- und wartungsintensiven Entwerterstrukturen steht jedoch angesichts der vielfältigen Entwicklungen und Angebote (um „für den Notfall“ ein Ticket im Vorrat zu haben oder für andere Tickets zu kaufen) in keinem vertretbaren Verhältnis.

Gleichzeitig entfallen durch die sofortige Entwertung typische Fehlerquellen für den Fahrgast, wie das schlichte Vergessen der Entwertung oder Probleme mit Entwertergeräten (siehe Wartung oben). Hiervon sind gerade Menschen betroffen, die sonst eher selten den ÖPNV nutzen (versehentliches Schwarzfahren als Beispiel).

Des Weiteren gestaltet sich auch der vertriebliche Aufwand im Zusammenhang mit unentwerteten Tickets für die Kundencenter-Mitarbeiter als hoch, bspw. im Falle von Tariffortschreibungen und dem Umgang mit bis dato noch unentwerteten Tickets.

Bereits entwertete Tickets verhindern zudem massiv das Missbrauchspotential. Zugleich erleichtert es auch den Mitarbeitern des Prüfpersonals ihren Arbeitsalltag (und somit ergo auch dem Fahrgast), da diese sofort erkennen können, ob ein Ticket gültig ist – ohne nachzusehen, ob und wann es entwertet wurde. Eine elektronische Kontrolle von Fahrtberechtigungen ist nur möglich, wenn eine im Barcode zu hinterlegende zeitliche Gültigkeit vorliegt, die geprüft werden kann. Insgesamt beschleunigt die Ausgabe entwerteter eTickets die Kontrolle und reduziert Missverständnisse sowie Diskussionen zwischen Fahr- und Prüfpersonal und dem Fahrgast.

Wie bereits angesprochen ist die verbesserte Nutzung und Buchung von eezy durch Kinder aktuelles Thema der Arbeitsgruppen auf NRW-Ebene. Hier bedarf es praxisorientierter Lösungsansätze und als AVV setzen wir uns entschlossen dafür ein, hier im Sinne des Fahrgastes gute Lösungen herbeizuführen.

Bei weiteren Fragen stehen wir dir gerne zur Verfügung.

Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
Marius
Anbeku
Beiträge: 344
Registriert: 25. Mai 2022, 10:30

Re: Nicht vorentwertete Tickets

Beitrag von Anbeku »

Marius L. (AVV) hat geschrieben: 23. Mai 2025, 17:19
Neben den konventionellen Vertriebsangeboten hat der Fahrgast dank der Ticketing-Apps seine Fahrgastinformation und Vorverkaufsstelle heutzutage in der Hosentasche und gerade der eezy Tarif ist ja mitunter genau für die Menschen, die über so gut wie keine ÖPNV-Erfahrung verfügen. Belohnt wird das Ganze sogar noch mit maximaler Flexibilität und diversen Preisdeckelmechanismen. Ja, eine Registrierung in einer eezy-fähigen App ist hier notwendig, aber sicherlich nicht unzumutbar in Anbetracht der wirklich reell existierenden Vorteile für den Fahrgast.
Wie gesagt, keine von den Mitfahrenden war dazu bereit sich für den Ausflug extra eine App zu installieren und zu registrieren. Eezy hätte niemandem etwas genutzt, da alle ein Ticket für eine Teilstrecke hatten (Mobilticket mit Mitnahmeregelung). Genau aus dem Grund kam auch das genannte Gruppenticket nicht in Frage, da zu teuer.


Marius L. (AVV) hat geschrieben: 23. Mai 2025, 17:19 Von einer generellen Verschlechterung würde ich daher ausdrücklich nicht reden wollen, da das ja im Umkehrschluss bedeuten würden, dass es mit unentwerteten Tickets keine Probleme gäbe/ gegeben hat - was ja nicht der Fall ist / war (und das gilt selbstverständlich nicht nur für den AVV sondern auch für andere Regionen in Deutschland).

Gleichzeitig entfallen durch die sofortige Entwertung typische Fehlerquellen für den Fahrgast, wie das schlichte Vergessen der Entwertung oder Probleme mit Entwertergeräten (siehe Wartung oben). Hiervon sind gerade Menschen betroffen, die sonst eher selten den ÖPNV nutzen (versehentliches Schwarzfahren als Beispiel).
In der Praxis sind physische Tickets meiner Erfahrung nach von jedem deutlich einfacher zu handhaben als eine unbekannte App. Mit der App kann man genau so vergessen das Ticket zu kaufen oder ein und auszucheken und da kommen noch eine ganze Reihe üblicher Probleme hinzu: Oft funktioniert der Ticketkauf nicht wegen schlechten Empfang, im Hintergrund ausgeloggt, irgendein unbekanntes Problem. Oft gibt es auch Probleme beim Vorzeigen wenn irgendwas wieder mit der App ist. Da ist bei mir die Fehlerquote deutlich höher.
Marius L. (AVV) hat geschrieben: 23. Mai 2025, 17:19 Des Weiteren gestaltet sich auch der vertriebliche Aufwand im Zusammenhang mit unentwerteten Tickets für die Kundencenter-Mitarbeiter als hoch, bspw. im Falle von Tariffortschreibungen und dem Umgang mit bis dato noch unentwerteten Tickets.

Bereits entwertete Tickets verhindern zudem massiv das Missbrauchspotential. Zugleich erleichtert es auch den Mitarbeitern des Prüfpersonals ihren Arbeitsalltag (und somit ergo auch dem Fahrgast), da diese sofort erkennen können, ob ein Ticket gültig ist – ohne nachzusehen, ob und wann es entwertet wurde. Eine elektronische Kontrolle von Fahrtberechtigungen ist nur möglich, wenn eine im Barcode zu hinterlegende zeitliche Gültigkeit vorliegt, die geprüft werden kann. Insgesamt beschleunigt die Ausgabe entwerteter eTickets die Kontrolle und reduziert Missverständnisse sowie Diskussionen zwischen Fahr- und Prüfpersonal und dem Fahrgast.
Ich kann verstehen , dass die Verbünde da ein Interesse dran haben, weil teuer und potentieller Missbrauch, aber das wird vielfach auf dem Rücken des Kunden gelöst.
Marius L. (AVV) hat geschrieben: 23. Mai 2025, 17:19 Wie bereits angesprochen ist die verbesserte Nutzung und Buchung von eezy durch Kinder aktuelles Thema der Arbeitsgruppen auf NRW-Ebene. Hier bedarf es praxisorientierter Lösungsansätze und als AVV setzen wir uns entschlossen dafür ein, hier im Sinne des Fahrgastes gute Lösungen herbeizuführen.
Von entschlossenem Einsatz alleine hat nur der Fahrgast nichts. Wie lange gibt es eezy jetzt schon und wie lange werden wir noch darauf warten müssen? Wie wäre es denn damit, erst eine (Ersatz-)Lösung zu finden und dann die bisherigen, funktionierenden Lösungen Abzuschaffen?

Übrigens: Ich hab für meinen Fall jetzt die mova-App verwendet. Nachdem ich ca 10 Apps ausprobiert habe, war das die einzige, die mir eine Hand voll EinfachWeiterTickets in kurzer Zeit verkauft hat ohne dass ich da noch persönliche Daten für die Mitfahrer angeben musste. Immerhin. Auch wenn ich die mova-App aus diversen Gründen nicht so gerne mag kann sich in diesem Punkt Naveo gerne ne Scheibe von abschneiden.
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