Taxis und Mobilitätsgarantie in der Eifel

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Anbeku
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Taxis und Mobilitätsgarantie in der Eifel

Beitrag von Anbeku »

Bei der Mobilitätsgarantie NRW hatte man schon immer die Schwierigkeit, dass gerade dort, wo die Mobilitätsgarantie am hilfreichsten ist, sie sich besonders schwierig nutzen lässt. Dort wo man bei einem Ausfall einer Bus- oder Bahnverbindung am längsten festsitzen würde, gibt es auch die wenigsten Alternativen, die man mit der Mobilitätsgarantie nutzen könnte. Kommt in 30-Minuten der nächste Bus, lohnt die Mobilitätsgarantie oft nicht, zumal ja eine Unsicherheit besteht, ob man die 20 Minuten-Grenze aussitzen muss um die Garantie in Anspruch zu nehmen. An Orten an denen Bus und Bahn höchstens jede Stunde kommen, gibt es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aber auch keinen Fernverkehr und kein Shared-Mobility Angebot. Da war bisher immer das Taxi die einzige Lösung, auch wenn man alleine mit dem Erstattungsbeitrag oft nicht weit gekommen ist. In den letzten Tagen habe ich dann aber leider selber die Erfahrung gemacht, dass das gar keine verlässliche Alternative ist. Meine Frau ist in letzter Zeit beruflich oft mehrere Tage in diversen Eifelorten unterwegs. Da ist der Busverkehr außerhalb der Wandersaison oft schon dünn. Die Idee da ein Taxi vom Bahnhof zu nehmen, teilweise auch nur als Backup-Lösung, hat sich schnell als nicht durchführbar erwiesen. Ich habe mehrere Tage diverse Unternehmen angerufen und für die Gegend um Heimbach oft genug nur gehört "Wir haben den ganzen Tag leider kein Fahrzeug in der Gegend". Selbst Unternehmen vor Ort scheinen keinen Betrieb vor Ort sicherstellen zu können oder zu wollen.
Ist das etwas, was man auf dem Schirm hat, dass da offenbar eine ganze Säule der Mobilität ohne eigenes Auto wegbricht? Ich muss zugeben, dass ich auch sehr selten das Taxi nutze, da eine Fahrt oft so teuer ist, wie mein halbes Mobilitätsbudget für einen Monat. Ich frage mich allerdings schon oft: Was ist, wenn ich in der Eifel mal den letzten Bus verpassen sollte oder dieser ausfällt? Müsste ich dann jemanden mit Auto in der Hinterhand haben, der mich ggf. abholt?
Marius L. (AVV)
Beiträge: 51
Registriert: 15. Februar 2022, 12:10

Re: Taxis und Mobilitätsgarantie in der Eifel

Beitrag von Marius L. (AVV) »

Hallo anbeku,

bitte entschuldige die Verzögerung hinsichtlich einer Rückmeldung zu deinem Beitrag.

Die von dir beschriebene Situation hinsichtlich des Mobilitätsangebotes in einigen Regionen der Eifel ist nachvollziehbar und auch hinreichend bekannt (wobei dies auch in deutlich urbaneren Gebieten ein Thema sein kann).

Und natürlich fallen mögliche Ausfälle insbesondere bei dünnem Takt und wenigen Alternativen strukturell bedingt im ländlichen, dünn besiedelten Raum stärker ins Gewicht als in den Ballungsgebieten, wo den Fahrgästen ein ganz anderes Repertoir an Alternativen zur Verfügung steht.

Die Mobilitätsgarantie als solches ist keine 'Verfügbarkeitsgarantie' für mobile Angebote sondern wurde im Sinne einer Kostenerstattung bei Verspätungen oder Ausfällen konzipiert. Die Garantie selbst kann natürlich kein flächendeckendes Ersatzangebot schaffen, wo es – unabhängig vom ÖPNV – nur sehr wenige Alternativen im Mobilitätsangebot gibt. Auch auf die Verfügbarkeit von Taxiunternehmen haben wir als Aachener Verkehrsverbund keinen Einfluss.

Unser Ziel ist es, gemeinsam mit den Aufgabenträgern und den Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot gerade auch in den ländlichen Räumen Schritt für Schritt weiter auszubauen. Dazu gehören unter anderem Taktverdichtungen, verlängerte Bedienzeiten bis in die Tagesrandlagen sowie flexible, bedarfsorientierte Lösungen wie der NetLiner. Leider gelingt dies in Räumen mit geringer Nachfrage aufgrund häufig begrenzter finanzieller Möglichkeiten der Kommunen derzeit leider nur in kleinen Schritten. Letztlich sollte die Pünktlichkeit und Verfügbarkeit im ÖPNV natürlich möglichst so sein, dass die Mobilitätsgarantie erst gar nicht gebraucht wird, weil die Reisekette stabil funktioniert.

Viele Grüße
Marius
Anbeku
Beiträge: 347
Registriert: 25. Mai 2022, 10:30

Re: Taxis und Mobilitätsgarantie in der Eifel

Beitrag von Anbeku »

Hallo Marius,
Marius L. (AVV) hat geschrieben: 3. März 2026, 08:16 bitte entschuldige die Verzögerung hinsichtlich einer Rückmeldung zu deinem Beitrag.
kein Problem, bei so allgemeinen Themen bei denen es auch nicht die eine Antwort gibt, erwarte ich auch keine schnelle Antwort. Oft will ich bei so etwas auch in erster Linie mir den Frust von der Seele schreiben und etwas vor mich hin philosophieren und bin froh wenn da über haupt jemand drauf eingeht.
Marius L. (AVV) hat geschrieben: 3. März 2026, 08:16 Die Mobilitätsgarantie als solches ist keine 'Verfügbarkeitsgarantie' für mobile Angebote sondern wurde im Sinne einer Kostenerstattung bei Verspätungen oder Ausfällen konzipiert.
Man muss ja auch fairer Weise sagen das es sehr an den Haaren herbei gezogen ist zu erwarten, dass die Mobilitätsgarantie Mobilität garantieren würde ;) Um diese ständigen Missverständnisse vorzubeugen würde ich vorschlagen die "Mobilitätsgarantie" in das umzubenennen, was sie wirklich ist, z.B. "Erweiterte Erstattungsregelung für spezielle Fälle". Aber da reite ich an anderer Stelle oft genug erfolglos drauf rum, darum sollte es hier nicht primär gehen.
Marius L. (AVV) hat geschrieben: 3. März 2026, 08:16 Die Garantie selbst kann natürlich kein flächendeckendes Ersatzangebot schaffen, wo es – unabhängig vom ÖPNV – nur sehr wenige Alternativen im Mobilitätsangebot gibt. Auch auf die Verfügbarkeit von Taxiunternehmen haben wir als Aachener Verkehrsverbund keinen Einfluss.
Es war sicherlich immer so, dass der ÖPNV auf dem Land schlechter ist als in der Stadt und das wird auch wohl tendenziell so bleiben, auch wenn es besser wird. Speziell die immer schlechter werdende Verfügbarkeit von Taxis außerhalb der Ballungsräume scheint mir aber doch eine eher jüngere Entwicklung zu sein. Das war meines Erachtens vor 10 Jahren noch deutlich anders. Wenn es zu einer unsicheren ÖPNV-Fahrt aber überhaupt keinen Plan B mehr gibt, dann ist das ja wie russisches Roulett und man kann niemandem, der eine Wahl hat guten Gewissens empfehlen, das zu riskieren und das macht mir schon sehr zu schaffen.
Was ich aber auch überhaupt nicht verstehe ist, dass die Branche bzw die Politik immer noch flächendeckend das Monopol von Taxis schützt, auch da wo es die gar nicht gibt. Das wird ja oft begründet, das dafür Taxis umgekehrt auch eine Beförderungspflicht haben und teil des ÖPNVs sind, aber wenn gar keiner da ist der befördert? Ich denke, da würde eine Liberalisierung viel mehr Angebot schaffen, aber auch das ist wahrscheinlich kein Thema für den Verkehrsverbund.
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