Hallo zusammen,
Leider wurde Kinder und Familien bei der Konzeption des Deutschlandtickets komplett ignoriert. Ich habe mich immer gefragt, warum das keinen Shitstorm gibt aber mit Kindern und ÖPNV-Nutzern kombiniert man wohl die Gruppen in Deutschland mit der geringsten Lobby. Mit dem Deutschlandticket wurde zum ersten mal konsequent mit dem Grundsatz gebrochen, dass Kinder weniger für den ÖPNV zahlen als Erwachsene. Eine Kinderversion gibt es von dem Deutschlandticket nicht. Für jedes Kind 64€ im Monta zu zahlen, ist für die meisten Familien völlig unrealistisch und unverhältnismäßig. Gerade auch in Konkurrenz zum Elterntaxi. Manche Schulträger bieten eine ermäßigtes Deutschlandticket auch für Selbstzahler an. Das ist aber aus Sicht der Familien völlige Willkür, wer das bekommt und wer nicht. Es kommt aber noch viel schlimmer. Mit dem Wegfall des Fun-Tickets im AVV entfällt das letzte bezahlbare Freizeitticket im Abo, das man für alle Kinder abschließen konnte. Wird es dafür einen Ersatz geben, oder ist ein Schüler-Deutschlandticket für alle in Sicht?
Schüler Deutschlandticket für alle?
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Marius L. (AVV)
- Beiträge: 52
- Registriert: 15. Februar 2022, 12:10
Re: Schüler Deutschlandticket für alle?
Hallo anbeku,
das Deutschlandticket wurde politisch als möglichst einfaches, bundesweit einheitliches Zeitticket konzipiert. Ziel war es, ein leicht verständliches und flächendeckend gültiges Angebot zu schaffen, das unabhängig von Tarifzonen und regionalen Preisstufen genutzt werden kann. Diese Systementscheidung ging bewusst mit einem Bruch früherer tariflicher Differenzierungen einher und sieht daher keine eigenständige „Kinderversion“ des Deutschlandtickets vor. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass das Deutschlandticket bestehende Schüler- und Sozialtarife nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Der monatliche Preis des Deutschlandtickets liegt auch weiterhin unterhalb vieler bislang existierender, preisstufenbezogener Monatstickets für Schülerinnen und Schüler. Eine generelle Schlechterstellung lässt sich daraus zunächst nicht ableiten. Darüber hinaus besteht für die Länder ausdrücklich die Möglichkeit, zusätzliche Vergünstigungen innerhalb des Deutschlandticketsegments zu schaffen. In NRW wurde hiervon mit dem Deutschlandticket Schule sowie dem Deutschlandticket Sozial unter Einbringung von finanziellen Landesmitteln Gebrauch gemacht.
Zur Frage eines allgemeinen, vergünstigten Deutschlandtickets für alle Schüler ist festzuhalten, dass uns hierzu derzeit keine konkreten Planungen vorliegen / uns bekannt sind. Entsprechende Entscheidungen würden auf Landes- beziehungsweise Bundesebene getroffen und entsprechende Finanzierungsfragen voraussetzen.
Welche konkreten Ticketprodukte an den Schulen zum Einsatz kommen, liegt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Schulträger, wobei die Produktpalette und die Entscheidungsspielräume der Schulträger in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert wurden. Neben der ursprünglich rein schulwegbezogenen Schülerjahreskarte existiert im AVV seit längerem das School&Fun-Ticket mit integriertem Freizeitanteil, die sowohl anspruchsberechtigten Schülern als auch Selbstzahlern offenstehen. Dieser Ansatz wurde auch im Rahmen des landesweiten Modellprojekts zum Deutschlandticket Schule aufgegriffen. Ergänzend gibt es Schulträger im AVV, die für anspruchsberechtigte Kinder reguläre Deutschlandtickets erwerben und Selbstzahlern ebenfalls durch Zuzahlungen vergünstigte Deutschlandtickets anbieten. Unterschiede in der Ausgestaltung ergeben sich hierbei nicht aus Willkür, sondern sind Entscheidungen des Schulträgers unter Berücksichtigung der finanziellen Tragfähigkeit.
Zum Wegfall des Fun-Tickets im AVV ist anzumerken, dass diese Entscheidung nicht isoliert getroffen wurde, sondern im Zusammenhang mit der umfassenden Tarifreform und der Zusammenführung historisch unterschiedlich gewachsener Tarifwelten im AVV und VRS steht. Bereits seit mehreren Jahren – auch schon vor Einführung des Deutschlandtickets – ist ein deutlicher Rückgang der Nachfrage nach Fun-Tickets im AVV zu beobachten. Hintergrund dürfte vor allem die zunehmende Verbreitung von Schülerticketprodukten mit integriertem Freizeitanteil (School&Fun-Ticket) sein. Das Deutschlandticket hat diesen ohnehin bereits bestehenden Trend dann weiter beschleunigt, so dass die Verkäufe von Fun-Tickets in den letzten 10 Jahren um ca. 80% zurückgegangen sind. Mit der Tarifreform wird zudem künftig kein rein schulwegbezogenes Schülerticket mehr angeboten, wodurch die ursprüngliche Notwendigkeit und Funktion eines separaten Tickets für Freizeitfahrten nach Schulschluss, wie dem Fun-Ticket, weitestgehend entfällt. Vergleichbare Freizeitprodukte wurden in unseren benachbarten Verkehrsverbünden – in Anbetracht der Tatsache, dass es dort schon seit längerem keine rein schulwegebezogenen Produkte mehr gibt - daher bereits vor Jahren eingestellt.
Gleichzeitig haben wir Verständnis dafür, dass die dargestellten tariflichen Alternativen im direkten Vergleich zum bisherigen Fun-Ticket von einzelnen Fahrgästen derzeit nicht als besonders attraktiv oder gleichwertig wahrgenommen werden. Mit der Tarifreform begeben wir uns jedoch in eine gemeinsame Tarifwelt mit dem VRS. Damit sprechen wir über eine Tarifstruktur, die sich über nahezu 100 Kommunen erstreckt. In einem solchen Rahmen lassen sich zwangsweise nicht alle historisch gewachsenen lokalen Besonderheiten dauerhaft unverändert fortführen, wenn die Reform insbesondere eine massive Tarifvereinfachung zum erklärten Ziel hat. Kompromisse gehören daher zwangsläufig zu diesem Prozess – und auch aus AVV-Sicht galt es in den fachlichen Abstimmungen Lösungen mitzutragen, die dem übergeordneten Allgemeinziel der Tarifreform dienen.
Um insbesondere für Kinder weiterhin angemessene und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten im ÖPNV sicherzustellen, wurde im Rahmen der Tarifreform das Preisniveau der preisstufenbezogenen Kindertickets im Rheinlandtarif so ausgerichtet, dass zahlreiche Relationen künftig preislich günstiger ausgestaltet sind. Dies gilt insbesondere unter Berücksichtigung der jeweils dahinterliegenden Geltungsbereiche, die in vielen Fällen eine größere räumliche Nutzung ermöglichen. Diese preisstufenbezogenen Preise bilden bekanntermaßen auch die Grundlage für die Anwendung der Preisdeckelung im eezy-Tarif, so dass auch die Kindermitnahme in eezy preislich attraktiv ist und bleibt. Darüber hinaus arbeiten die beteiligten eezy-Systemhersteller derzeit daran, die eigenständige Nutzung durch minderjährige Fahrgäste in eezy abzubilden, so dass -nach darauffolgender Anpassung in der jeweiligen App- eine alleinige Nutzung von eezy durch Minderjährige möglich ist.
Sobald dies umgesetzt und in naveo nutzbar ist, werden wir selbstverständlich hierzu informieren.
Bei weiteren Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Viele Grüße
Marius
das Deutschlandticket wurde politisch als möglichst einfaches, bundesweit einheitliches Zeitticket konzipiert. Ziel war es, ein leicht verständliches und flächendeckend gültiges Angebot zu schaffen, das unabhängig von Tarifzonen und regionalen Preisstufen genutzt werden kann. Diese Systementscheidung ging bewusst mit einem Bruch früherer tariflicher Differenzierungen einher und sieht daher keine eigenständige „Kinderversion“ des Deutschlandtickets vor. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass das Deutschlandticket bestehende Schüler- und Sozialtarife nicht ersetzt, sondern ergänzt.
Der monatliche Preis des Deutschlandtickets liegt auch weiterhin unterhalb vieler bislang existierender, preisstufenbezogener Monatstickets für Schülerinnen und Schüler. Eine generelle Schlechterstellung lässt sich daraus zunächst nicht ableiten. Darüber hinaus besteht für die Länder ausdrücklich die Möglichkeit, zusätzliche Vergünstigungen innerhalb des Deutschlandticketsegments zu schaffen. In NRW wurde hiervon mit dem Deutschlandticket Schule sowie dem Deutschlandticket Sozial unter Einbringung von finanziellen Landesmitteln Gebrauch gemacht.
Zur Frage eines allgemeinen, vergünstigten Deutschlandtickets für alle Schüler ist festzuhalten, dass uns hierzu derzeit keine konkreten Planungen vorliegen / uns bekannt sind. Entsprechende Entscheidungen würden auf Landes- beziehungsweise Bundesebene getroffen und entsprechende Finanzierungsfragen voraussetzen.
Welche konkreten Ticketprodukte an den Schulen zum Einsatz kommen, liegt im Verantwortungsbereich der jeweiligen Schulträger, wobei die Produktpalette und die Entscheidungsspielräume der Schulträger in den vergangenen Jahren kontinuierlich erweitert wurden. Neben der ursprünglich rein schulwegbezogenen Schülerjahreskarte existiert im AVV seit längerem das School&Fun-Ticket mit integriertem Freizeitanteil, die sowohl anspruchsberechtigten Schülern als auch Selbstzahlern offenstehen. Dieser Ansatz wurde auch im Rahmen des landesweiten Modellprojekts zum Deutschlandticket Schule aufgegriffen. Ergänzend gibt es Schulträger im AVV, die für anspruchsberechtigte Kinder reguläre Deutschlandtickets erwerben und Selbstzahlern ebenfalls durch Zuzahlungen vergünstigte Deutschlandtickets anbieten. Unterschiede in der Ausgestaltung ergeben sich hierbei nicht aus Willkür, sondern sind Entscheidungen des Schulträgers unter Berücksichtigung der finanziellen Tragfähigkeit.
Zum Wegfall des Fun-Tickets im AVV ist anzumerken, dass diese Entscheidung nicht isoliert getroffen wurde, sondern im Zusammenhang mit der umfassenden Tarifreform und der Zusammenführung historisch unterschiedlich gewachsener Tarifwelten im AVV und VRS steht. Bereits seit mehreren Jahren – auch schon vor Einführung des Deutschlandtickets – ist ein deutlicher Rückgang der Nachfrage nach Fun-Tickets im AVV zu beobachten. Hintergrund dürfte vor allem die zunehmende Verbreitung von Schülerticketprodukten mit integriertem Freizeitanteil (School&Fun-Ticket) sein. Das Deutschlandticket hat diesen ohnehin bereits bestehenden Trend dann weiter beschleunigt, so dass die Verkäufe von Fun-Tickets in den letzten 10 Jahren um ca. 80% zurückgegangen sind. Mit der Tarifreform wird zudem künftig kein rein schulwegbezogenes Schülerticket mehr angeboten, wodurch die ursprüngliche Notwendigkeit und Funktion eines separaten Tickets für Freizeitfahrten nach Schulschluss, wie dem Fun-Ticket, weitestgehend entfällt. Vergleichbare Freizeitprodukte wurden in unseren benachbarten Verkehrsverbünden – in Anbetracht der Tatsache, dass es dort schon seit längerem keine rein schulwegebezogenen Produkte mehr gibt - daher bereits vor Jahren eingestellt.
Gleichzeitig haben wir Verständnis dafür, dass die dargestellten tariflichen Alternativen im direkten Vergleich zum bisherigen Fun-Ticket von einzelnen Fahrgästen derzeit nicht als besonders attraktiv oder gleichwertig wahrgenommen werden. Mit der Tarifreform begeben wir uns jedoch in eine gemeinsame Tarifwelt mit dem VRS. Damit sprechen wir über eine Tarifstruktur, die sich über nahezu 100 Kommunen erstreckt. In einem solchen Rahmen lassen sich zwangsweise nicht alle historisch gewachsenen lokalen Besonderheiten dauerhaft unverändert fortführen, wenn die Reform insbesondere eine massive Tarifvereinfachung zum erklärten Ziel hat. Kompromisse gehören daher zwangsläufig zu diesem Prozess – und auch aus AVV-Sicht galt es in den fachlichen Abstimmungen Lösungen mitzutragen, die dem übergeordneten Allgemeinziel der Tarifreform dienen.
Um insbesondere für Kinder weiterhin angemessene und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten im ÖPNV sicherzustellen, wurde im Rahmen der Tarifreform das Preisniveau der preisstufenbezogenen Kindertickets im Rheinlandtarif so ausgerichtet, dass zahlreiche Relationen künftig preislich günstiger ausgestaltet sind. Dies gilt insbesondere unter Berücksichtigung der jeweils dahinterliegenden Geltungsbereiche, die in vielen Fällen eine größere räumliche Nutzung ermöglichen. Diese preisstufenbezogenen Preise bilden bekanntermaßen auch die Grundlage für die Anwendung der Preisdeckelung im eezy-Tarif, so dass auch die Kindermitnahme in eezy preislich attraktiv ist und bleibt. Darüber hinaus arbeiten die beteiligten eezy-Systemhersteller derzeit daran, die eigenständige Nutzung durch minderjährige Fahrgäste in eezy abzubilden, so dass -nach darauffolgender Anpassung in der jeweiligen App- eine alleinige Nutzung von eezy durch Minderjährige möglich ist.
Sobald dies umgesetzt und in naveo nutzbar ist, werden wir selbstverständlich hierzu informieren.
Bei weiteren Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Viele Grüße
Marius
Re: Schüler Deutschlandticket für alle?
Hallo Marius,
"Mit der Tarifreform wird zudem künftig kein rein schulwegbezogenes Schülerticket mehr angeboten, wodurch die ursprüngliche Notwendigkeit und Funktion eines separaten Tickets für Freizeitfahrten nach Schulschluss, wie dem Fun-Ticket, weitestgehend entfällt." Bedeutet dies, dass alle Schulträger in Zukunft ein Ticket anbieten werden, das auch für die Freizeit zu nutzen ist und auch Selbstzahlern offen steht?
"Mit der Tarifreform wird zudem künftig kein rein schulwegbezogenes Schülerticket mehr angeboten, wodurch die ursprüngliche Notwendigkeit und Funktion eines separaten Tickets für Freizeitfahrten nach Schulschluss, wie dem Fun-Ticket, weitestgehend entfällt." Bedeutet dies, dass alle Schulträger in Zukunft ein Ticket anbieten werden, das auch für die Freizeit zu nutzen ist und auch Selbstzahlern offen steht?
Re: Schüler Deutschlandticket für alle?
Nachtrag: Mir ist schon klar, dass diese Situation einer Logik folgt, aber das ist eine Logik der Aufgabenträger und Schulträger, die sich nicht in die Lebenswirklichkeit der Familien und deren Bedürfnissen integriert. Für Eltern ist es kaum nachvollziehbar, warum z.B. ihre drei Kinder auf unterschiedlichen Schulen drei völlig unterschiedliche Angebote für die Mobilität haben aber dann in der Freizeit wieder irgendwie auf einen Nenner kommen müssen. Zumal ja auch keiner die Schule nach dem Ticket auswählt, was man da bekommen kann und selbst wenn man das wollte, müsste man da weit selber recherchieren. Das ist doch völlig unrealistisch und geht an der Lebensrealität der Familien völlig vorbei, die nur möchte, dass die Kinder zu einem angemessenen Preis eigenständig oder auch zusammen mit dem ÖPNV mobil sein müssen, ohne das jeder Tarifabitur machen muss. 80% der Familien, mit denen ich gesprochen habe, haben auch überhaupt keine Motivation, sich damit im Detail auseinander zu setzen. Die erwarten einfach, dass es da eine einfache, praxisgerechte Lösung gibt und sonst wird halt das Auto genommen. Das ist auch eine Erklärung für die Nachfrage so wie sie ist. Da werden Kinder, die die ÖPNV Nutzer von Morgen wären, dem ÖPNV komplett entfremdet. Darüber hinaus möchte ich noch mal klar stellen, das gerade Einzeltickets für Kinder keine gute Lösung ist. Menschen, die erst lernen wie alles funktioniert, sollen hier den kompliziertesten Zugang zum ÖPNV bekommen, weil die nicht mal eezy oder Handyticket nutzen dürfen und man denen auch kein Ticket mehr im Vorraus kaufen kann, wie es früher noch möglich war.