Hallo zusammen,
ich glaube das Thema hatten wir schon öfters, aber momentan beschäftigt es mich wieder länger, da ich eine Reise plane. Oft ist es so, dass Züge zwischen denen man umsteigen muss, lange parallel fahren, so dass man in der Theorie eine große Auswahl an Möglichkeiten hätte umzusteigen. Das trifft hier vor allem auf der RRX-Stammstrecke zu. Aus diesen Möglichkeiten wählen jetzt die Auskunftsapps eine aus und kommen dabei interessanter weise oft zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, ohne das transparent ist warum sie jeweils diese Entscheidung getroffen haben und oft ist es schwer nachzuvollziehen. Naveo macht da meines Erachtens schon einen recht guten job, oft besser als der DB-Navigator. Beispiel Stolberg Hbf - Bielefeld (Hier die Web-Version)
Die DB möchte in Düsseldorf umsteigen und der AVV in Mülheim an der Ruhr. Meines Erachtens ist die Wahl des AVV hier in allen objektiven Kriterien, die mir einfallen, überlegen:
1. höhere Umsteigezeit und damit sicherer Anschluss.
2. Umstieg am selben Bahnsteig und daher deutlich kürzere Wege. Auch bei Ausfall von Aufzügen barrierefrei.
3. deutlich späterer Umstieg. Wenn der Anschlusszug ausfällt, hat man zumindest schon deutlich mehr Kilometer gemacht.
Die Wahl der DB erscheint hier hingegen wie pure Willkür. Da in der DB Auskunft extrem viel Geld und Aufwand steckt, frage ich mich aber trotzdem: "Weiß die etwas, was ich nicht weiß" und entscheidet daher so? Das wird hier wohl auch keiner Wissen, aber vielleicht weiß ja jemand die Kriterien für die AVV-Auskunft. Da ich meine Verbindungen oft "mit der Hand" optimiere, wäre es zumindest hilfreich zu wissen, warum sich die Auskunft so entscheidet, wie sie es macht. Sind nicht eigentlich sogar beide Apps von HaCon? Erstaunlich, dass die da so unterschiedlich sind. Dieser Beitrag ist weniger eine Konkrete frage als ein allgemeine Diskussion.
Welchen Umsteigepunkt wähle ich, wenn ich viele Möglichkeiten habe?
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Thomas (AVV)
- Beiträge: 293
- Registriert: 24. Februar 2022, 09:27
Re: Welchen Umsteigepunkt wähle ich, wenn ich viele Möglichkeiten habe?
Hallo Andreas,
was andere Systeme machen, ist immer schwer zu sagen. Du hast schon mal eine Fahrt ohne Echtzeit (gestern, morgen) ausgewählt, das schleißt schon mal weitere Unwägbarkeitsfaktoren aus.
Ich sehe als denkbare Variable
- möglichst geringe Fußwegezeit -> großer Komfort
- möglichst große Differenz zwischen vorhandener Umsteigezeit und tatsächlich benötigter Fußwegezeit
- Umstieg an Haltestellen mit möglichst vielen Abfahrten -> höhere Sicherheit, bei Anschlußverlust doch noch weiter zu kommen
Aus "Frofi-Fahrgastsicht" würde ich zusätzliche Kriterien anfügen
- in einem pünktlichen Zug möglichst Weit in Richtung Ziel vorfahren
- bei großem Choas die nächste Möglichkeit nehmen, die mich weiter in Richtung Ziel bringt, auch wenn damit der eigentliche Umsteigepunkt nicht erreich wird (z.B. erst mal von Köln nach Düsseldorf fahren, auch wenn man ansonsten bis Dortmund käme)
Was unser System letztlich im Falle gleichwertiger Zahl an Umstiegen und identischer Gesamtreisezeit macht, kann ich Dir nicht wirklich sagen. Auch wenn es ein besser und ein schlechter für die konkreten Anforderungen gibt. Wirklich falsch sind diese Informationen eigentlich nicht. Das ist das Wichtigste. Und ÖPNV-Profis wir wir beide es sind, werden es im Zweifel eh anders machen
Viele Grüße
Thomas
was andere Systeme machen, ist immer schwer zu sagen. Du hast schon mal eine Fahrt ohne Echtzeit (gestern, morgen) ausgewählt, das schleißt schon mal weitere Unwägbarkeitsfaktoren aus.
Ich sehe als denkbare Variable
- möglichst geringe Fußwegezeit -> großer Komfort
- möglichst große Differenz zwischen vorhandener Umsteigezeit und tatsächlich benötigter Fußwegezeit
- Umstieg an Haltestellen mit möglichst vielen Abfahrten -> höhere Sicherheit, bei Anschlußverlust doch noch weiter zu kommen
Aus "Frofi-Fahrgastsicht" würde ich zusätzliche Kriterien anfügen
- in einem pünktlichen Zug möglichst Weit in Richtung Ziel vorfahren
- bei großem Choas die nächste Möglichkeit nehmen, die mich weiter in Richtung Ziel bringt, auch wenn damit der eigentliche Umsteigepunkt nicht erreich wird (z.B. erst mal von Köln nach Düsseldorf fahren, auch wenn man ansonsten bis Dortmund käme)
Was unser System letztlich im Falle gleichwertiger Zahl an Umstiegen und identischer Gesamtreisezeit macht, kann ich Dir nicht wirklich sagen. Auch wenn es ein besser und ein schlechter für die konkreten Anforderungen gibt. Wirklich falsch sind diese Informationen eigentlich nicht. Das ist das Wichtigste. Und ÖPNV-Profis wir wir beide es sind, werden es im Zweifel eh anders machen
Viele Grüße
Thomas
Re: Welchen Umsteigepunkt wähle ich, wenn ich viele Möglichkeiten habe?
Hallo Thomas,
danke für die Ausführungen.
. Fairer Weise muss man sagen, dass einige Apps, darunter auch Naveo eine rudimentäre Funktion haben, die gewählte Verbindung im Auge zu behalten. Das ist dann so, als würde dein Auto-Navi während der Fahrt sagen: "A3 gesperrt. Viel Erfolg bei der weiteren Entscheidungsfindung". Macht natürlich kein Auto-Navi und würde kein Autofahrer so akzeptieren, aber im ÖPNV gehört eine App damit schon zum oberen Drittel und viel besser wird es nicht. Da frage ich mich schon häufig: Müsste es mit den heutigen Mitteln nicht SEHR viel besser gehen? App könnten viel dynamischen sein und die Menschen viel aktiver bei der Reise begleiten. Aber das ist ein umfangreiches Thema.
viele Grüße
Andreas
danke für die Ausführungen.
Der Entscheidende Punkt daraus ist für mich, dass ein Profi-Fahrgast dauerhaft die Situation im Auge behält und darauf sinnvoll reagiert. Das kann bisher keine ÖPNV-App, die ich kenne. Eine ÖPNV-App sagt dir meistens nur sinngemäß: "Hier ist eine Verbindung, viel Glück!". Erinnert mich etwas an Mister L, der Clever und Smart wieder einmal ahnungslos und schlecht vorbereitet auf ein Himmelfahrtskommando schickt und die fallen immer wieder drauf reinThomas (AVV) hat geschrieben: ↑2. Juni 2026, 12:03 Aus "Frofi-Fahrgastsicht" würde ich zusätzliche Kriterien anfügen
- in einem pünktlichen Zug möglichst Weit in Richtung Ziel vorfahren
- bei großem Choas die nächste Möglichkeit nehmen, die mich weiter in Richtung Ziel bringt, auch wenn damit der eigentliche Umsteigepunkt nicht erreich wird (z.B. erst mal von Köln nach Düsseldorf fahren, auch wenn man ansonsten bis Dortmund käme)
Ja, wobei man immer noch dazu lernt. Anderswo habe ich bei dieser Verbindung jetzt gehört, vielleicht besser da umzusteigen, wo der RE6 noch leer ist oder schon wieder leerer ist, also Vor Düsseldorf oder hinter Dortmund Hbf. Mal sehen was draus wird.Thomas (AVV) hat geschrieben: ↑2. Juni 2026, 12:03 Das ist das Wichtigste. Und ÖPNV-Profis wir wir beide es sind, werden es im Zweifel eh anders machen![]()
viele Grüße
Andreas
-
Thomas (AVV)
- Beiträge: 293
- Registriert: 24. Februar 2022, 09:27
Re: Welchen Umsteigepunkt wähle ich, wenn ich viele Möglichkeiten habe?
Hallo Andreas,
Deine ähnlich lautende Frage und die Antworten darauf bei Drehscheibe-Online hatte ich bereits entdeckt. In dieser Diskussion kam der Spiegelstrich
- wie werden die Züge bei meinem Einstig/ in dem von mir genutzten Abschnitt ausgelastet sein hinzu.
Bislang war das eine statische Frage. Dazu wurden vielfältige Aspekte zusammengetragen.
BTW: Ich habe mal "die KI" gefragt:
Ich möchte mit dem Zug von Eilendorf nach Mönchengladbach fahren. Wo steige ich am besten um. Warum?
Copilot hat mir empfohlen, direkt mit dem RE4 von Eilendorf zu fahren, oder alternativ in Aachen Hbf oder am Westbahnhof umzusteigen. An beiden würden zwei Züge pro Stunde an mein Ziel fahren.
Da waren die Betrachtungen auf DSO deutlich differenzierter. Und und ohne KI-typische Halluzinationen.
Jetzt erweiterst Du den Vektorenraum noch mal gewaltig und möchtest diese Entscheidungen unter Berücksichtigung einer dynamischen und sich verändernden Betriebslage treffen.
Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Echtzeitdaten ist in der Regel der aktuelle Stand der Verspätung bekannt. Beispiel: Der RE1 ist gerade in Köln-Mülheim zum stehen gekommen. Aktuell +5, Du hörst die Durchsage, das das Signal Halt zeigt. Alle Apps zeigen die +5 an. Dein Zug wird dort von zwei Fernzügen überholt. In Leverkusen Mitte die nächste Überholung und in Düsseldorf-Flughafen nochmal welche. Ankunft in Duisburg mit +30. Mit dieser Datenbasis hilft eine tolle assistierende Fahrtassistenz nicht wirklich, bessere Entscheidungen zu treffen. Wichtig wären hier Prognosen, deren Basis vom Infrastrukturbetreiber kommt. Nur dieser weiß wirklich, welche Gleise, Signale und Fahrstraßen es gibt und wann welche Züge tatsächlich fahren dürfen. Die +30 wären deutlich frühzeitiger absehbar gewesen.
Viele Grüße
Thomas
Deine ähnlich lautende Frage und die Antworten darauf bei Drehscheibe-Online hatte ich bereits entdeckt. In dieser Diskussion kam der Spiegelstrich
- wie werden die Züge bei meinem Einstig/ in dem von mir genutzten Abschnitt ausgelastet sein hinzu.
Bislang war das eine statische Frage. Dazu wurden vielfältige Aspekte zusammengetragen.
BTW: Ich habe mal "die KI" gefragt:
Ich möchte mit dem Zug von Eilendorf nach Mönchengladbach fahren. Wo steige ich am besten um. Warum?
Copilot hat mir empfohlen, direkt mit dem RE4 von Eilendorf zu fahren, oder alternativ in Aachen Hbf oder am Westbahnhof umzusteigen. An beiden würden zwei Züge pro Stunde an mein Ziel fahren.
Da waren die Betrachtungen auf DSO deutlich differenzierter. Und und ohne KI-typische Halluzinationen.
Jetzt erweiterst Du den Vektorenraum noch mal gewaltig und möchtest diese Entscheidungen unter Berücksichtigung einer dynamischen und sich verändernden Betriebslage treffen.
Mit den aktuell zur Verfügung stehenden Echtzeitdaten ist in der Regel der aktuelle Stand der Verspätung bekannt. Beispiel: Der RE1 ist gerade in Köln-Mülheim zum stehen gekommen. Aktuell +5, Du hörst die Durchsage, das das Signal Halt zeigt. Alle Apps zeigen die +5 an. Dein Zug wird dort von zwei Fernzügen überholt. In Leverkusen Mitte die nächste Überholung und in Düsseldorf-Flughafen nochmal welche. Ankunft in Duisburg mit +30. Mit dieser Datenbasis hilft eine tolle assistierende Fahrtassistenz nicht wirklich, bessere Entscheidungen zu treffen. Wichtig wären hier Prognosen, deren Basis vom Infrastrukturbetreiber kommt. Nur dieser weiß wirklich, welche Gleise, Signale und Fahrstraßen es gibt und wann welche Züge tatsächlich fahren dürfen. Die +30 wären deutlich frühzeitiger absehbar gewesen.
Viele Grüße
Thomas