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Alles eezy oder was?

Verfasst: 31. Mai 2026, 20:56
von aixbrick
Hallo zusammen,

grundsätzlich befürworte ich es ja, dass man eine gewisse Einheitlichkeit hinsichtlich Tarifen usw. einführt, gerade auch jetzt mit dem Rheinlandtarif und der Abschaffung von redundanten oder wenig nachgefragten Tickets u.a. infolge des Deutschlandtickets. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass man das auch nutzt, um Fahrgäste in 1. und 2. Klasse einzuteilen. Und damit meine ich nicht Beförderungsklassen, sondern - überspitzt formuliert - wer gern gesehen und wer weniger gern gesehen wird.

Sobald irgendwo Kritik an Tarifänderungen aufkommt (z.B. Einführung Rheinlandtarif, Abschaffung von Tickets im Vorverkauf), wird generell auf eezy verwiesen, dem Allheilmittel im Tarifdschungel: einfach, überall verfügbar und vor allem günstiger als Papiertickets. Dabei wird aber fast kosequent ignoriert, dass es auch weiterhin noch Fahrgäste gibt, die eezy nicht nutzen können oder wollen. Entweder weil sie kein Handy haben, das vorhandene Handy wirklich nur zum telefonieren genutzt wird (kein Datentarif) oder weil sie ein Handy nicht nutzen können oder dürfen. Diese Fahrgäste haben nur eine Möglichkeit: ein Papierticket erwerben, das in der Regel (z.T. deutlich) teurer ist.

Beispiel:

Aachen Eilendorf Nirmer Platz -> Aachen Bushof

Einzelfahrt Erwachsener Einzelpreis (Hin und zurück)
- mit eezy: 3,01 EUR (6,02 EUR)
- Papier (Preisstufe 1b [*]): 4,00 EUR (8,00 EUR)

Das sind 99 Cent mehr für dieselbe Strecke, denselben Bus, dieselbe Linie. Hin und zurück also bereits 1,98 EUR, nur, weil der Fahrgast kein Handy hat. Und das ist kein aus der Luft gegriffenes Beispiel, das ist eine Standardfahrt für jemanden, der einfach mal in die Stadt will/muss (Shoppen, Arzt...). Die Preisschere wird noch größer, wenn die Strecke kürzer ist, z.B. nur bis Continental oder Am Rott.

Meiner Meinung nach verleidet man damit Gelegenheitsfahrgästen die Nutzung des ÖPNV. Warum kann man den eezy-Tarif nicht immer zur Anwendung bringen? Der Fahrgast weiß, wo aussteigt. Und auch das System im Bus bzw. wahlweise der Automat weiß, wo er sich gerade befindet. Es sollte doch problemlos möglich sein, auch hier den eezy-Tarif abrechnen zu können. Naürlich könnte man nun als Argument nennen, dass das 4,00 EUR-Ticket ja eine deutliche größere Strecke abbildet, der Fahrgast prinzipiell bis nach Richterich oder Walheim fahren könnte. Bloß: Da will er gar nicht hin, muss diese Strecke aber mit bezahlen.

Mir ist klar, dass man immer Abwägungen treffen muss und dass dabei auch schonmal schwere Entscheidungen getroffen werden müssen, aber man gewinnt immer mehr den Eindruck, dass Fahrgäste, die analog unterwegs sind eigentich gar nicht mehr gewünscht sind. Das begann bereits bei der Abschaffung vom 4-Fahrten-Ticket (ein Grund war, dass man gerne auf die Entwerter verzichten würde) und endet möglicherweise irgendwann, wenn Preiserhöhungen nur auf Papiertickets angewendet werden.

[*] Anmerkung: Normalerweise kostet das Ticket 3,50 EUR, nicht aber in Aachen, Köln und Bonn. Hier werden 50 Cent Aufschlag fällig ("Großstadtzuschlag"). Personen ohne Handy werden hier also noch zusätzlich "bestraft", weil sie in einer Großstadt leben.

Gruß

(PS: Ich selbst habe ein Deutschlandticket und auch ein Handy, bin also nicht direkt betroffen. Ich beobachte aber natürlich im Umfeld, was solche Änderungen für Auswirkungen haben, konkret u.a. die damalige Abschaffung des 4-Fahrten-Tickets.)

Re: Alles eezy oder was?

Verfasst: 1. Juni 2026, 12:50
von Anbeku
Ich bin da auch sehr skeptisch. Grundsätzlich finde ich eezy nicht schlecht auch wenn es die bekannten Einschränkungen hat. Ich kann auch grundsätzlich bestätigen, dass die Leute, die es tatsächlich nutzen können und wollen, damit größtenteils zufrieden sind.ICh weiß aus meiner Erfahrung in der Praxis aber auch, dass es signifikant viele Menschen gibt, die das aus diversen Gründen nicht nutzen möchten oder können. Ich bin daher auch skeptisch, ob man den Nutzungsgrad davon außerhalb der Zeittickets auf 50% oder mehr steigern kann und es daher vielleicht doch an der Lebenswirklichkeit der meisten Gelegenheitsfahrer vorbei geht. Ich habe keine aktuellen Zahlen, aber zuletzt war man davon sehr weit entfernt.